Schleswig-Holstein-Tourismus mit Licht und Schatten durch das Ausnahmejahr 2020

Kiel, 10. März 2021

Es war zunächst keine Überraschung, als Tourismusminister Dr. Bernd Buchholz und TA.SH-Chefin Dr. Bettina Bunge ein Minus von sieben Millionen touristischen Übernachtungen (inklusive Camping) in Schleswig-Holstein verkündeten. Für das Jahr 2020 verzeichnete das Statistikamt Nord mit 28.924.321 Mio. Übernachtungen ein Minus von 19,6 Prozent gegenüber dem Rekordjahr 2019 mit 35.974.794 Mio. Übernachtungen. Nach zehn Jahren stetigem Wachstum brach der Schleswig-Holstein-Tourismus wie erwartet pandemiebedingt ein.

Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz und Dr. Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein stehen an einem Rednerpult und lächeln in eine Kamera © TA.SH/Manuela Schütze
© TA.SH/Manuela Schütze

Es war zunächst keine Überraschung, als Tourismusminister Dr. Bernd Buchholz und TA.SH-Chefin Dr. Bettina Bunge ein Minus von sieben Millionen touristischen Übernachtungen (inklusive Camping) in Schleswig-Holstein verkündeten. Für das Jahr 2020 verzeichnete das Statistikamt Nord mit 28.924.321 Mio. Übernachtungen ein Minus von 19,6 Prozent gegenüber dem Rekordjahr 2019 mit 35.974.794 Mio. Übernachtungen. Nach zehn Jahren stetigem Wachstum brach der Schleswig-Holstein-Tourismus wie erwartet pandemiebedingt ein.

In den Details der Zahlen stecken jedoch Überraschungen, die verdeutlichen: Schleswig-Holstein ist 2020 trotz der finanziellen Einbußen, welche die Branche verkraften musste, vergleichsweise robust durch das schwierige Jahr mit vier Monaten Schließzeiten gekommen.

Mit Januar, Februar, August, September und Oktober sind insgesamt fünf Monate im Plus bei den Übernachtungen ggü. den jeweiligen Vorjahresmonaten. Februar (+17%), September (+16%) und Oktober (+10%) sogar mit zweistellen Zuwächsen.

Das Camping-Geschäft bilanziert ein sensationelles Plus von fast 9 Prozent ggü. 2019 trotz der Schließzeiten und teilweiser begrenzter Stellplätze.

Generell sind Campingplätze, Ferienwohnungen und Ferienhäuser 2020 die Gewinner, da sie autarkes Übernachten in fremden eigenen Wänden ermöglichen.

Verlierer sind sowohl Jugendherbergen aufgrund der weggefallenen Klassen- und Gruppenfahrten als auch das Tagungs- und Kongressgeschäft sowie der Städtetourismus mit teil existenzbedrohenden Einbußen.

Das Auslandsgeschäft betrug nur 3,5% des Gesamtvolumens der Übernachtungen 2020 mit Rückgängen von minus 57% ggü. dem Vorjahr.

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste stieg auf 4,7 Tage, das ist ein erneutes Plus ggü. Vorjahr um 0,7 Tage. D.h. die Menschen blieben deutlich länger im Land und am längsten im Bundesländervergleich.

Einschätzung Dr. Bernd Buchholz zu 2020:

„Die Corona-Pandemie hat Schleswig-Holstein im letzten Jahr sieben Millionen Übernachtungen weniger als 2019 beschert, aber immerhin noch fast 29 Millionen insgesamt. Vor dem Hintergrund von insgesamt vier Monaten, in denen die Beherbergungsbetriebe aufgrund der Lockdowns geschlossen waren, war dies zu erwarten. Die hohe Auslastung in den teils sehr guten Sommer- und Herbstmonaten konnten für die Jahresbilanz nur bedingt einen Ausgleich bieten. Ferienwohnungen, Ferienhäuser und auch Campingplätze waren aber gefragt wie nie. Diesen Trend hin zu möglichst autarken Urlaubsformen werden wir auch in diesem Jahr erleben“, sagt Tourismusminister Dr. Bernd Buchholz.

Einschätzung Dr. Bettina Bunge zu 2020:

„Der Schleswig-Holstein-Tourismus hat letztes Jahr viel erreicht trotz schwieriger Rahmenbedingungen. Dank des unermüdlichen Engagements unserer Branche, der Akzeptanz in der Bevölkerung und der beeindruckenden Gästebetreuung vor Ort haben wir im Wettbewerb der Bundesländer sehr gut abgeschnitten und sogar Platz 4 bei den Übernachtungen (inkl. Camping) erreicht“, sagt Dr. Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TA.SH).

Die wichtigsten Details der Jahresstatistik 2020:

Regional große Unterschiede

Die geringsten Rückgänge verzeichnete die Ostsee mit -14,0 Prozent, mit Abstand gefolgt von der Nordsee mit -20 Prozent und der Holsteinischen Schweiz mit -21,5 Prozent. Das übrige Binnenland saldierte mit -36,4 Prozent vor den heftig getroffenen 14 Städten der MakS (Marketing Kooperation der Städte e.V.) mit -32,3 Prozent.

Beherbergungsarten verlieren unterschiedlich

Was sich bereits im Sommer abzeichnete, verstetigte sich im weiteren Jahresverlauf: Natur- und Landurlaube, möglichst autark organisiert und erlebt, waren besonders beliebt. Die Nachfrage nach Ferienwohnungen und Ferienhäusern war 2020 entsprechend überdurchschnittlich hoch. Dieses Urlauben in fremden eigenen Wänden korrespondiert in hohem Maß mit dem Sicherheitsbedürfnis der Reisenden. Das Tagungs-, Messe- und Kongressgeschäft ist 2020 stark eingebrochen, da die meisten Veranstaltungen coronabedingt abgesagt werden mussten. Jugendherbergen hatten ebenfalls große Verluste zu verkraften. Ihr Geschäft basiert in großem Maße auf Gruppenreisen, die in 2020 aufgrund der Pandemie-Beschränkungen nicht stattfinden konnten.

Anzahl Übernachtungen 20153.500.847 Mio.- 0,1 % ggü. Vorjahr
Anzahl Übernachtungen 20163.739.733 Mio.+ 6,8 % ggü. Vorjahr
Anzahl Übernachtungen 20173.621.743 Mio.- 2,3 % ggü. Vorjahr
Anzahl Übernachtungen 20184.201.572 Mio.+ 16,0 % ggü. Vorjahr
Anzahl Übernachtungen 20194.288.192 Mio.+ 2,1 % ggü. Vorjahr
Anzahl Übernachtungen 20204.667.381 Mio.+ 8,8 % ggü. Vorjahr

Camping liegt auch in Schleswig-Holstein seit Jahren voll im Trend, wie die Übernachtungszahlen auf Campingplätzen 2015 bis 2020 zeigen. Durch die Sehnsucht der Urlauber nach Unabhängigkeit, Freiheit, Natur und Abstand konnten in 2020 sogar erstmals fast 4,7 Millionen Übernachtungen auf Campingplätzen in Schleswig-Holstein gezählt werden:

Die TOP 12 Orte/Gemeinden

Die Volumenbringer an Nord- und Ostsee haben in diesem Jahr allesamt Verluste zu verzeichnen, wenn auch in unterschiedlicher Höhe. Der Städtetourismus ist am deutlichsten eingebrochen. Zu den Top 12 Orten und Gemeinden in 2020 gehören in dieser Reihenfolge: Gemeinde Sylt (-21,4 % ggü.VJ), Lübeck mit Travemünde (-23,2 % ggü.VJ), Sankt Peter-Ording (-17,1 % ggü.VJ), Timmendorfer Strand (-15,5 % ggü.VJ), Fehmarn (Stadt) (-18,2 % ggü.VJ), Grömitz (-22,7 % ggü.VJ), Büsum (-22,8 % ggü.VJ), Wyk auf Föhr (-18,9 % ggü.VJ), Wenningstedt-Braderup (-11,3 % ggü.VJ), Scharbeutz (-14,4 % ggü.VJ), Heiligenhafen (-11,9 % ggü.VJ), Kiel (-34,5 % ggü.VJ).

Schleswig-Holstein im Wettbewerb der Bundesländer

Schleswig-Holstein gehört seit Jahren zu den Topreisezielen in Deutschland. Im Wettbewerb der 16 Bundesländer hat sich Schleswig-Holstein im Jahr 2020 im Hinblick auf die Übernachtungen (inkl. Camping) auf den vierten Platz vorgeschoben (Vorjahr Platz 5), nach Bayern (Platz 1), Baden-Württemberg (Platz 2) und Niedersachsen (Platz 3). Mecklenburg-Vorpommern belegt Platz 6 in 2020. Durch die geschlossenen Grenzen und die erschwerten Einreisebedingungen waren bundesweit die ausländischen Übernachtungen rückgängig, in Schleswig-Holstein konnten 2020 nur 849.497 Übernachtungen aus dem Ausland (vorzugsweise Dänemark) verzeichnet werden, das entspricht einem Rückgang von minus 57% gegenüber Vorjahr.

Prognose und Trends 2021

Da private Übernachtungen bis auf weiteres nicht möglich sind und der Geschäftsreisetourismus nur marginale Übernachtungen generiert, fehlen seit Jahresbeginn voraussichtlich ca. 2,5 – 4 Mio. Übernachtungen (Jan. – März) in Schleswig-Holstein. Da aber die Sehnsucht der Menschen nach Urlaub, Erholung und Abwechslung groß ist, wird für Schleswig-Holstein erwartet, dass nach Öffnung der Beherbergungsbetriebe viele Gäste nach Schleswig-Holstein kommen werden, vor allem in der Hauptsaison Mai bis Oktober. Der Inlandstourismus steht voraussichtlich weiterhin im Fokus, aber im Wettbewerb aller 16 Bundesländer. Aus dem Ausland werden erst später und schrittweise wieder Gäste nach Schleswig-Holstein kommen, in Abhängigkeit von den Einreise- und Quarantänebestimmungen. Gäste werden sehr kurzfristig buchen, flexible Stornierungsmöglichkeiten erwarten, und einen gegebenenfalls längeren Aufenthalt in Ferienhäusern, Ferienwohnungen und auf Campingplätzen präferieren. Beim Tagungs- und Kongressgeschäft geht der Trend zu kleinen Veranstaltungen, ggf. sogar Outdoor-Tagungen und Hybrid-Kongressen, die bei Bedarf eine digitale Teilnahme ermöglichen.

Ausblick Dr. Bernd Buchholz für 2021:

„Unsere Tourismusbranche in Schleswig-Holstein ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Land mit über 160.000 Arbeitsplätzen und 9,7 Mrd. EUR Umsatz. Sobald ein Öffnungstermin feststeht, erwarten wir einen Ansturm auf unser schönes Bundesland. Mit einem System aus Impfen, Testen, Kontaktnachverfolgen und Schutzmaßnahmen vor Ort sowie entsprechender digitaler Besucherlenkung werden wir viele Gäste im Land begrüßen können, die sich einen sicheren, aber auch entspannten Aufenthalt so sehr wünschen. Wir bitten Gäste und Betriebe gleichermaßen noch um etwas Geduld, hoffen aber derzeit noch auf Osterurlaub, wenn die Inzidenzzahlen weiter runter gehen“, sagt Tourismusminister Dr. Bernd Buchholz abschließend.

Ausblick Dr. Bettina Bunge zu 2021:

„Gemeinsam mit unseren Partnern werben wir täglich für unser schönes Urlaubs- und Tagungsland Schleswig-Holstein. Die Gäste wollen in diesem Jahr gerne zu uns kommen, brauchen aber eine konkrete Perspektive für den Restart des Schleswig-Holstein-Tourismus. Dann wird sich die derzeitige Zurückhaltung bei der Buchung auch schnell wieder in eine hohe Nachfrage nach Schleswig-Holstein umkehren“, sagte Dr. Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TA.SH) abschließend.

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