Geschichte hautnah erleben

Kiel, 20. August 2020

Tipps für einen Besuch in Schleswig-Holsteins Freilichtmuseen und Ausstellungen

Historisches Haus und Mühle auf einer Wiese im Freilichtmuseum Molfsee © Landesmuseen SH
© Landesmuseen SH

Hier kommen Geschichtsinteressierte voll auf ihre Kosten: Die Freilichtmuseen im echten Norden bieten ihren Gästen spannende Einblicke in die Vergangenheit Schleswig-Holsteins. Von der Steinzeit über die Wikinger bis hin zu den Sylter Sagen – die Open-Air-Ausstellungen machen Landesgeschichte anfassbar.

Hier eine Auswahl aus den Regionen:

Binnenland

Busdorf: Willkommen bei den Wikingern
Viele hielten sie für wilde Seefahrer. Doch die Wikinger waren mehr. Das zeigt das Wikinger Museum Haithabu. Dieses kann sich seit 2018 UNESCO-Welterbe nennen. Seine Geschichte geht aber viel weiter zurück: Im Frühmittelalter gehörte Haithabu zu den wichtigsten Handelsplätzen der Wikinger. Sieben rekonstruierte Häuser – wie eine Werkstatt oder ein Versammlungshaus – sowie eine Landebrücke zeigen, wie die scheinbar rauen Seemänner und -frauen gelebt haben. Im angrenzenden Museum können Besucher archäologische Funde bestaunen. Hier ist aktuell eine Voranmeldung notwendig. Die Veranstaltungen sind für alle genau das Richtige, die das Wikingerleben in all seinen Facetten kennenlernen wollen. So nimmt etwa „Erik Styrimathr“ Besucher mit auf sein Wikingerschiff. Ein Seemann erzählt spannende isländische Märchen und in einer Werkstatt können kleine Wikinger ihr eigenes Schwert schnitzen.

Molfsee: Schleswig-Holstein wie es einmal war
Wie haben die Menschen im echten Norden eigentlich früher so gelebt? Antworten gibt das Freilichtmuseum Molfsee. Auf 40 Hektar können Interessierte 60 Gebäude aus dem 16. bis 20. Jahrhundert besichtigen. Ob Bauernhäuser, Scheunen oder Werkstätte – alle Gebäude stammen aus verschiedenen schleswig-holsteinischen Orten sowie der dänischen Grenzregion und wurden im Freilichtmuseum wieder aufgebaut. In einigen von ihnen sind Dauerausstellungen zu besonderen Themen untergebracht. So geht es zum Beispiel in einem Haus von der Hallig Langeneß um das Leben am Wasser. In einer Armenkate wird die Integration von Flüchtlingen in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg dargestellt. Rundgänge und Vorführungen – wie etwa das Kochen auf dem Schwibbogen Herd – komplettieren einen spannenden Tag im Freilichtmuseum Molfsee.

Dannewerk: Von Deutschen und Dänen
Das Danewerk Museum ist das größte archäologische Denkmal Nordeuropas und ebenfalls seit 2018 UNESCO-Welterbe. Hier erleben Besucher deutsch-dänische Geschichte live. Denn die mächtige Wallanlage wurde vor rund 1.500 Jahren von den Danen (Dänen) errichtet, um ihr Reich vor germanischen Sachsen, slawischen Abodriten und Franken zu schützen. Der archäologische Park des Museums umfasst fünf markante Bodendenkmäler – den Hauptwall des Danewerks, die Festungsanlage Thyraburg, das Tor zum Norden, die Waldemarsmauer sowie eine Rekonstruktion der Kanonenschanze. Das Museum beheimatet eine ständige Ausstellung zum Danewerk und eine Informationsausstellung zum gesamten Welterbe Haithabu-Danewerk. Zwei weitere Ausstellungen zeigen die Bedeutung des Danewerks im deutsch-dänischen Krieg von 1864 sowie die Geschichte der dänischen Minderheit von 1864 bis in die Gegenwart.

Haseldorf: Land & Leute in den Elbmarschen
An Unter- und Mittelelbe liegen sie – die Elbenmarschen. Was diese Region so einzigartig macht, zeigt das Elbmarschenhaus in Haseldorf. Das Museum erzählt unter anderem, wie die Elbmarschen entstanden sind, wie die Menschen früher gelebt haben und welche Tiere und Pflanzen sich in der Region wohlfühlen. Zahlreiche Exponate und unterschiedliche Stationen – wie die Bodenfühlbox und das Tierstimmenquiz – laden zum Anfassen, Mitmachen und spielerischem Lernen ein. Bei einer Erkundungstour auf dem marschtypisch gestalteten Außengelände können sich kleine und große Gäste ausprobieren. Hier können sie eine Schöpfschraube betätigen, mit einer hölzernen Schaufel Wasser aus dem Graben schaufeln oder mit einem Klotstock über einen Graben springen. Am Teich gibt es Vögel, Frösche, Fische, Libellen und Wasserpflanzen zu entdecken. Baumstämme laden zum Balancieren ein und ein Bienenvolk kann bei der Honigproduktion beobachtet werden.

Albersdorf: Feuersteine und Bogenschießen
Auch in Albersdorf erleben Besucher eine Zeitreise der ganz besonderen Art – und zwar in die Steinzeit. Im Steinzeitpark Dithmarschen können Gäste ein ganzes Dorf besichtigen. Dieses besteht aus 14 nach archäologischen Vorbildern errichteten Bauten. Im Sommer lebt hier von mittwochs bis sonntags ein Steinzeitjäger. Bei ihm stehen für Besucher zahlreiche Aktivitäten auf dem Programm: Bogen schießen, Speer werfen, sich mit Steinzeitfarben schmücken, basteln, versuchen mit Stöckchen Feuer zu entfachen, auf dem Teich mit dem Einbaum paddeln oder einfach auf der Wiese entspannen und ein selbst mitgebrachtes Picknick genießen. Unmittelbar an das Steinzeitdorf schließt ein 40 Hektar großes Freigelände an. Auf diesem Gelände befinden sich neun archäologische Denkmäler. Auch alte Haustierrassen – wie Schafe, Ziegen und Rinder – sind hier zu finden.

NORDSEE

Amrum: Auf den Spuren der Amrumer

Zurück in die Vergangenheit: Experten haben sich auf Amrum der alten Siedlungsgeschichte der Insel angenommen und ein Eisenzeitliches Haus mitten in den Dünen wieder aufgebaut. Auf den Bohlenwegen drumherum gehen Gäste auf Zeitreise. In einem anderen Dünental wird gerade eine vor Jahrzehnten freigewehte Grabanlage samt Ackersystem und Urnenfriedhof wieder von wuchernder Heide befreit. Mit dem Krümwal hat die Insel noch ein fast zwei Kilometer langes Zeugnis aus der Wikingerzeit: Unter dem Titel „Insel der Toten“ erzählen junge Leute vom Öömrang Ferian, dem Amrumer Verein, die alten Inselgeschichten direkt vor Ort.

Sylt: Sagenhafte Märchen
Sylt hat viele fabelhafte Spielplätze, doch nur einer ist sagenhaft: der Sylter Sagenwald zwischen Wenningstedt und Kampen. Hier entführen der Meeresgott Ekke Nekkepen, die Betschwestern Ing und Dung sowie Seeräuber und Zwergenkönige Besucher in die Welt der Sylter Sagen. 15 Spielstationen mit Infotafeln erwarten hier interessierte Gäste. Mal ist es eine Kriechröhre, um sich wie Nis Puk zu fühlen, mal erinnert ein Klangspiel an Ing und Dung oder ein Schiff an das Liebesleid von der treuen Bruntje aus Braderup.

Büsum: Eine kleine Reise in die Büsumer Deichtradition
365 Tage im Jahr beschützen sie Bewohner und Besucher Büsums vor den kräftigen Wellen der Nordsee: die Deiche. Wer mehr über sie erfahren möchte, ist im Büsumer Freilicht-Deichmuseum genau richtig. Drei nachgebauten Deiche aus den Jahren 1200, 1600 und 1800 zeigen die Entwicklung der mächtigen Küstendämme auf. Besucher können die drei Bauwerke jederzeit kostenlos begehen. Schautafeln informieren unter anderem über die verschiedenen Deichprofile oder die ursprüngliche Entstehung der Deiche. Für eine kleine Pause sind Picknickbänke zwischen den Deichen aufgestellt. Besonders gut können Besucher die kleine Reise in die Vergangenheit mit einer geführten Radtour mit den Büsumer Gästelotsen verbinden. Auf der Tour radeln sie am Deichmuseum vorbei und erfahren die wichtigsten Informationen direkt aus erster Hand. Die kleine Radtour ist für alle kostenlos, die eine gültige Einwohner- oder Gästekarte besitzen.

St. Peter-Ording: Die historische Insel
Eine Insel auf dem nordfriesischen Festland – das bietet St. Peter-Ording seinen Gästen. In St. Peter-Dorf am alten Deich ist vor rund 12 Jahren die sogenannte Historische Insel entstanden. Seitdem entdecken Besucher auf dem Areal nachgebaute Gebäude und Anlagen, die typisch für die Region sind und deren Geschichte geprägt haben. So zeigt der Eiskeller, wie der Badeort vor der Versorgung mit elektrischem Strom Getränke und Gerichte kühlte. Bis 1928 wurden hierfür Erdhöhlen ausgehoben, die im Winter mit Eisblöcken bestückt und gut abgedeckt wurden. Eine Seltenheit an der Nordseeküste war das Schipperhus, in dem die Strandleichen aufbewahrt wurden, bis der Pastor die Identität der Seemänner eindeutig feststellen konnte. Die Deich- oder Schafpforten, die sich aufgrund ihrer schrägen Bauweise automatisch wieder von selbst schließen, sind eine Erfindung der Niederländer. Eine weitere Attraktion ist das Backhaus, in dem an festen Wochentagen frisches Brot und Kuchen nach alter Tradition gebacken und verkauft werden.

Husum: Ein Haus mit Vergangenheit
Das Ostenfelder Bauernhaus in Husum hat schon einiges erlebt: Es wurde wohl kurz vor 1600 erbaut und bis 1789 stetig erweitert. Gut 100 Jahre später wollten Dänen das Gebäude kaufen, um es in ihrer Heimat aufzustellen. Doch da haben sie die Rechnung ohne die Nordfriesen gemacht. Diese bauten kurzerhand das Gebäude in Ostenfeld ab. In Husum setzten sie es wieder zusammen und machten aus dem Haus das erste Freilichtmuseum Deutschlands. Das war 1899. Seitdem vermittelt es durch traditionelle Inneneinrichtung, Arbeitsgeräte und Hausrat ein authentisches Bild bäuerlicher Alltags- und Arbeitskultur. Die kleine Dauerausstellung informiert zur Historie des Hauses. In der großen Diele erwartet die Besucher ein besonderes Hörerlebnis: Ein akustisches Sound-Design erzeugt den Eindruck eines von Mensch und Tier bewohnten Bauernhauses.

OSTSEE

Oldenburg in Holstein: Die Stadt in der Stadt
Hier treffen Mittelalter und Gegenwart aufeinander: Im Zentrum von Oldenburg in Holstein liegt der Oldenburger Ringwall. Und der war im Mittelalter ein Machtzentrum der slawischen Herrschaft – damals noch unter dem Namen Starigard. Auf dem Freilichtgelände des Museums erwacht diese besondere Zeit wieder zum Leben. Auf zwei Siedlungen verteilen sich 20 rekonstruierte Gebäude mit unterschiedlichen Themen. So begegnen Besucher auf ihrem Rundgang beispielsweise der Halle der Fürsten von Starigard oder auch mittelalterlichen Handwerkern. Diese bieten Einblicke in ihr Können. Gäste, die selbst aktiv werden möchten, kommen hier ebenfalls voll auf ihre Kosten: So können sie unter anderem ein Amulett aus Speckstein oder ein Trinkhorn schnitzen – wie ihre Vorfahren im Mittelalter.

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