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Tourismustag 2009*
„Große Ferien“ waren gestern
Die Chancen für den Ausbau des Ganzjahrestourismus standen im Mittelpunkt des 10. Tourismustages Schleswig-Holstein im Ostseebad Damp. Das Leitthema lautete: „356 Tage geöffnet“. Mit über 400 Teilnehmern wurde ein Besucherrekord aufgestellt. Und die Branchenvertreter blickten bereits sehr viel optimistischer in die Zukunft als Mitte 2009.
Ein Grund für die positive Stimmung: Der Konjunkturklimaindex stieg für die Tourismuswirtschaft laut einer IHK-Umfrage von 78 Punkten im April 2009 auf 100,9 Punkte Ende Oktober 2009. Im bundesweiten Vergleich belegt Schleswig-Holstein laut des Sparkassen-Tourismusbarometers unter den Flächenländern nach Mecklenburg-Vorpommern den zweiten Platz. Das Gästeaufkommen konnte um 3,4 Prozent, die Übernachtungen um 2,4 Prozent gesteigert werden. Auch das stürmische Wetter rund um das Congresszentrum konnte die touristische Bilanz 2009 nicht trüben. „Das Stimmungstief vom Frühjahr ist vergessen“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer und Federführer für den Bereich Tourismus der IHK Schleswig-Holstein, Peter Michael Stein, in seiner Eröffnungsrede. Die Wetterkapriolen gaben einen guten Rahmen für das Leitthema „356 Tage geöffnet“. Denn dahinter steht die Herausforderung, die Gäste auch über die Spitzenmonate hinaus für Schleswig-Holstein zu begeistern. Wie sich die Saisonalität auswirkt, darüber sprach Professor Bernd Eisenstein, Leiter des Instituts für Management und Tourismus der FH Westküste. Er brachte die sich verändernden Übernachtungszahlen auf die Formel: „Je küstennäher, desto größer das Problem.“ Vor allem kleinere Betriebe seien von der Saisonalität betroffen.
Spezialisierung auf Zielgruppen
Die wirtschaftlichen Aspekte der Saisonalität beleuchtete Bernhard Harrer vom Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr in München. „Ohne eine Qualitätsoffensive und regelmäßige bauliche Veränderungen kann sich ein Betrieb nicht lange halten“, so Harrer. 21 Millionen Übernachtungen in gewerblichen Betrieben und 130 Millionen Tagesgäste konnte Schleswig-Holstein in der abgelaufenen Saison verbuchen. Bei Ferienwohnungen, die an den Küsten eine besonders große Bedeutung haben, sind es sogar 34,1 Millionen Übernachtungen. Diese Bilanz ließe sich aber nur ausbauen, wenn sich die Branche auf neue – kreative – Angebote einlasse und sich vor allem auf wenige Zielgruppen spezialisiere. „Die großen Ferien waren gestern. Wenn das Angebot stimmt, buchen die Kunden auch außerhalb der Saison“, sagte Professorin Felizitas Romeiß-Stracke, Dozentin für Freizeit- und Tourismuswissenschaft an der TU München, in ihrem Vortrag. Durch neue Zeit- und Arbeitsstrukturen breche die Saisonalität zunehmend auf.
Megatrend regionale Produkte
Erfolgreiche saisonverlängernde Projekte präsentierten Peter Douven vom Insel Sylt Tourismus-Service, Frank Behrens von Damp Touristik und Rainer Birke vom Hotel Birke Ringhotel in Kiel. Nachmittags konnten die Gäste zwischen sieben Informationsforen wählen. Anregungen gab es etwa zum Natur- und Eventtourismus. Außerdem informierten Frank Kurbjuhn von der IHK Flensburg und Energiemanager Hennrick Wäcken über energieeffiziente Maßnahmen. Ein weiteres Thema: Trends in der Gastronomie. Wie Philipp Dornberger von der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein zeigte, haben sich regionale Produkte zu einem „Megatrend“ entwickelt: „Vor allem die Lebensmittelskandale der vergangenen Jahre haben diese Entwicklung stark beeinflusst.“ Eine Initiative, die den Trend aufgreift, ist „Feinheimisch – Genuss aus Schleswig-Holstein e. V.“ Vor zwei Jahren mit sieben Gründungsmitgliedern gestartet, sind mittlerweile 18 Gastronomen und 35 Produzenten dabei. „Regionale Produkte stehen im Zentrum unseres Handelns“, unterstrich der Vorsitzende des Vereins, Maximilian Bruhn. Weitere Projekte sind etwa das Schleswig-Holstein Gourmet Festival, und Veranstaltungsreihe mit namhaften Gastköchen, die mit überwiegend heimischen Produkten kochen, oder „Schleswig-Holstein is(s)t lecker!“, gefördert vom Land Schleswig-Holstein.
Jari Wieschmann



